Stand des grünen Wasserstoffs in der Industrie 2026
Grüner Wasserstoff wurde als sauberer Brennstoff für die Teile der Industrie versprochen, die Strom nicht erreichen kann — Hochtemperaturwärme, Düngemittel-Rohstoff und Primärstahl. 2026 ist das Bild ernüchternd: Die Elektrolyseur-Kapazität ist real, aber klein, nahezu der gesamte heute genutzte Wasserstoff wird weiterhin aus unvermeidbaren fossilen Brennstoffen hergestellt, und die Projektpipeline für das Ende des Jahrzehnts wurde still zurechtgestutzt. Dieser Bericht fasst die öffentlich verfügbaren Zahlen dazu zusammen, wo grüner Wasserstoff in der Industrie tatsächlich steht und warum der Hochlauf langsamer ist, als die Ziele es nahelegten.
Weniger als ein Prozent des Wasserstoffs ist heute emissionsarm
Source: IEA — Global Hydrogen Review 2025 — Executive summary (2025)
Die Welt produzierte 2024 fast 100 Megatonnen Wasserstoff, doch weniger als 1 % davon stammten aus emissionsarmen Routen wie der Elektrolyse oder der fossilen Produktion mit CO2-Abscheidung. Wasserstoff ist bereits ein großes industrielles Handelsgut — er wird im großen Maßstab in der Raffination und in Ammoniak für Düngemittel eingesetzt —, doch diese Nachfrage wird nahezu vollständig durch unvermeidbares Erdgas und Kohle gedeckt. Die Dekarbonisierungsaufgabe besteht daher nicht darin, einen neuen Markt zu erfinden, sondern die Herstellungsmethode unter einem bestehenden Markt auszutauschen, weshalb die Kosten statt der Nachfrage die bindende Beschränkung sind.
Die Elektrolyseur-Kapazität ist real, aber noch klein
Source: IEA — Global Hydrogen Review 2025 — Production prospects to 2030 (2025)
Die installierte Wasserelektrolyse-Kapazität erreichte 2024 weltweit rund 2 Gigawatt, mit mehr als einem weiteren Gigawatt, das bis Mitte 2025 hinzukam. Das tiefere Signal liegt in der Fertigung: Die globale Elektrolyseur-Produktionskapazität lag 2024 bei nahezu 38 Gigawatt pro Jahr und soll sich nach angekündigten Plänen bis 2030 auf 186 Gigawatt pro Jahr ausweiten. Dieser Fertigungsausbau zählt mehr als die heute eingesetzte Flotte, weil er die Obergrenze dafür setzt, wie schnell grüner Wasserstoff skalieren kann, sobald die Projektwirtschaftlichkeit kippt — und er ist stark konzentriert, wobei China den Mehrheitsanteil hält.
Die Pipeline für 2030 wurde gestutzt, und Analysten sind uneinig über die Kosten
Source: IEA — Global Hydrogen Review 2025 — Production highlights (2025)
Ein Jahr ist in diesem Markt eine lange Zeit. Die aus angekündigten Projekten bis 2030 erreichbare emissionsarme Wasserstoffproduktion sank auf rund 37 Megatonnen pro Jahr, gegenüber den nur ein Jahr zuvor prognostizierten rund 49 Megatonnen pro Jahr — wobei ins Stocken geratene Elektrolyseprojekte für mehr als 80 % des Rückgangs verantwortlich waren. Der Grund sind die Kosten: günstigeres Erdgas und teurere als erwartete Elektrolyseure haben die kurzfristige Lücke zu fossilem Wasserstoff vergrößert, nicht verkleinert. Analysten sind sich einig, dass die Lücke besteht, aber stark uneinig darüber, wann sie sich schließt — die IEA merkt an, dass China erneuerbaren Wasserstoff bereits 40–45 % günstiger herstellen kann als Europa oder die Vereinigten Staaten und bis zum Ende des Jahrzehnts wettbewerbsfähig werden könnte, während die Kosten andernorts ohne Subvention deutlich über der fossilen Parität bleiben.
FAQ
Wofür wird grüner Wasserstoff in der Industrie eingesetzt?
Die industriellen Hauptanwendungen sind die bestehende Wasserstoffnachfrage, die heute durch fossile Brennstoffe gedeckt wird — Ammoniak für Düngemittel und die Raffination sind die größten — sowie aufkommende Anwendungen wie direktreduziertes Eisen für Stahl und Hochtemperatur-Prozesswärme. Diese von unvermeidbarem fossilem Wasserstoff auf elektrolytischen grünen Wasserstoff umzustellen, ist der Kern des Dekarbonisierungsarguments, da die Nachfrage bereits besteht.
Warum skaliert grüner Wasserstoff langsamer als erwartet?
Die Kosten sind die bindende Beschränkung. Günstigeres Erdgas und höhere als prognostizierte Elektrolyseur-Preise haben die Lücke zu fossilbasiertem Wasserstoff vergrößert, sodass die aus angekündigten Projekten bis 2030 erreichbare Produktion auf rund 37 Megatonnen pro Jahr nach unten korrigiert wurde, gegenüber rund 49 ein Jahr zuvor. China ist der klare Kostenführer; die meisten anderen Regionen benötigen Subventionen oder CO2-Bepreisung, um wettbewerbsfähig zu sein.
Sources
- IEA — Global Hydrogen Review 2025 — Executive summary
- IEA — Global Hydrogen Review 2025 — Production prospects to 2030
- IEA — Global Hydrogen Review 2025 — Production highlights
- IRENA — Green hydrogen cost reduction: scaling up electrolysers
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