Stand der Dekarbonisierung der Fertigung 2026

Die Industrie verursacht rund ein Viertel der globalen energiebedingten Emissionen, und der Großteil davon stammt aus einer Handvoll schwer vermeidbarer Prozesse. Der Weg zu Netto-Null für diese Sektoren ist inzwischen einigermaßen gut kartiert — elektrifizieren, was möglich ist, abscheiden, was nicht geht, und den Rest auf saubere Brennstoffe umstellen — doch die Rechnung ist hoch und der Zeitplan eng. Dieser Bericht fasst die öffentlich verfügbaren Zahlen dazu zusammen, wo die Dekarbonisierung der Fertigung 2026 steht und welche Hebel sich tatsächlich bewegen.

Die Industrie verursacht rund ein Viertel des energiebedingten CO2

25%Direkte CO2-Emissionen der Industrie
Anteil der Industrie an den globalen energiebedingten CO2-Emissionen, 2022 (IEA).

Source: IEA — Industry — Energy System (2023)

Der Industriesektor stieß 2022 direkt rund 9 Gigatonnen CO2 aus — etwa ein Viertel aller Emissionen des Energiesystems —, wenn Prozessemissionen neben der Brennstoffverbrennung mitgezählt werden. Eine kleine Gruppe von Werkstoffen dominiert diese Summe: Eisen und Stahl, Zement sowie Chemikalien machen zusammen den Großteil aus. Diese Konzentration ist der Grund, warum sich die Dekarbonisierungsanstrengungen so stark auf wenige Prozessrouten konzentrieren, statt sich gleichmäßig über die Werkshalle zu verteilen.

Die Investitionsrechnung für die Schwerindustrie geht in die Billionen

Stahl-Kostenanstieg bis 205030%Zement-Kostenanstieg bis 205045%
Prognostizierter Produktionskostenanstieg durch Dekarbonisierung, näherungsweise (McKinsey).

Source: McKinsey & Company — Decarbonising the world's industries: a net-zero guide for nine key sectors (2021)

Die vollständige Dekarbonisierung der vier emissionsstärksten Sektoren — Ammoniak, Zement, Ethylen und Stahl — wird auf zwischen 11 Bio. und 21 Bio. USD bis 2050 geschätzt, wobei die große Spanne vor allem vom künftigen Preis für kohlenstofffreien Strom getrieben wird. Analysten sind sich über die genaue Zahl uneinig, aber einig über die Größenordnung. Die Kosten zeigen sich auch im Produkt: Grüner Stahl und Zement dürften Produktionskostenaufschläge von etwa 30 % bzw. 45 % tragen, weshalb Abnahmeverpflichtungen und CO2-Bepreisung ebenso wichtig sind wie die Technologie.

Elektrifizierung skaliert schneller als die Abscheidung

CCUS in Betrieb Anfang 202550 MtCCUS-Pipeline bis 2030430 Mt
Globale CO2-Abscheidekapazität, Megatonnen pro Jahr

Source: IEA — CCUS projects around the world are reaching new milestones (2025)

Wo Dekarbonisierung mit vorhandener Technik laufen kann, kommt sie voran. Die Elektrolichtbogenofen-Route erreichte 2024 rund 29 % der globalen Rohstahlproduktion, gegenüber 28,6 % im Jahr zuvor, und recycelt Schrott, statt Erz im Hochofen zu reduzieren. Die CO2-Abscheidung steckt dagegen noch in den Anfängen: Anfang 2025 waren rund 50 Megatonnen pro Jahr an Abscheidekapazität in Betrieb, wobei die Projektpipeline auf etwa 430 Megatonnen bis 2030 hinweist, sofern die angekündigten Anlagen gebaut werden. Das Muster ist klar — Elektrifizierung und Effizienz leisten die kurzfristige Arbeit, während sich Abscheidung und sauberer Wasserstoff im großen Maßstab erst beweisen müssen.

FAQ

Welche Branchen sind am schwersten zu dekarbonisieren?

Eisen und Stahl, Zement und Klinker sowie Massenchemikalien sind am schwierigsten. Sie verbinden Hochtemperaturwärme mit chemischen Prozessemissionen, die sich nicht durch einen Wechsel der Stromversorgung lösen lassen, sodass sie neue Prozessrouten, sauberen Wasserstoff oder CO2-Abscheidung statt allein Effizienz benötigen.

Ist CO2-Abscheidung oder Elektrifizierung der größere kurzfristige Hebel?

Elektrifizierung und Effizienz leisten kurzfristig mehr, weil sie auf bewährter Technik beruhen und sich schneller amortisieren — die Elektrolichtbogenofen-Route erzeugt bereits rund ein Drittel des weltweiten Stahls. Die CO2-Abscheidung wächst, ist aber mit rund 50 Megatonnen pro Jahr an betriebener Kapazität noch klein und damit ein längerfristiger Hebel für die Emissionen, die sich nicht wegelektrifizieren lassen.

Sources

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